Wer KI nutzt, hat ein Werkzeug kennengelernt. Wer strategisch damit gestaltet, sichert seine Position ab
Er hat es wirklich ernst gemeint. Als Thomas K., Bereichsleiter in einem mittelständischen Zulieferer aus dem Raum Freiburg, im vergangenen Herbst in einem Treffen seiner ERFA-Gruppe sagte, er habe „die Digitalisierung im Griff", erntete er anerkennendes Nicken. Was er meinte: Sein Team nutzt mittlerweile MS Teams anstatt von Telefon-Konferenzen, die Projektdokumentation läuft über den SharePoint und seit letztem Jahr gibt es sogar ein Dashboard für die Produktionskennzahlen im Meetingraum.
Was er nicht meinte und nicht meinen konnte, weil er es nicht kannte: Dass drei Stockwerke unter ihm eine junge Teamleiterin mit einem KI-Tool bereits ihre Bereichsplanung für das kommende Quartal durchgerechnet hatte. In anderthalb Stunden. Drei Szenarien, mit Folgekosten, Personalbedarfs-Prognosen und einer Risikoanalyse, die sie direkt in die Vorstandspräsentation übernahm.

Thomas K. hat die Digitalisierung im Griff. Die Frage ist nur: Welche Digitalisierung? Ich kenne Führungskräfte, die digital arbeiten. Und ich kenne Führungskräfte, die digital denken. Im Jahr 2026 wird dieser Unterschied existenziell.
Die bequeme Verwechslung
Wenn ich in meinen Trainings frage, wie KI-kompetent sich die Teilnehmer einschätzen, passiert fast immer dasselbe: Die Mehrheit verortet sich im oberen Mittelfeld. Sie nutzen ChatGPT für den Mail-Verkehr oder PDF-Zusammenfassungen. Manche haben Copilot in Office schon ausprobiert. Einige lassen sich von der KI Texte umformulieren, bevor sie diese per E-Mail versenden oder in Präsentationen einbauen. Das ist ungefähr so, als würde jemand sagen, er könne Auto fahren, weil er weiß, wo das Gaspedal ist.
Die bequeme Verwechslung besteht darin, Nutzung mit Kompetenz gleichzusetzen. Wer KI als bessere Suchmaschine oder als Formulierungshilfe einsetzt, hat ein Werkzeug kennengelernt. Aber er hat noch nicht gelernt, damit strategisch zu arbeiten. Er hat nicht gelernt, die richtigen Fragen zu stellen. Er hat nicht gelernt, Ergebnisse kritisch zu prüfen und in Entscheidungsvorlagen zu übersetzen.

Und genau hier liegt die Trennlinie, die 2026 sichtbar wird. Nicht zwischen jung und alt. Nicht zwischen technikaffin und technikavers. Sondern zwischen denen, die KI als Produktivitätswerkzeug nutzen und denen, die KI als strategisches Denkinstrument einsetzen.
Was Digital denken heute bedeutet
Der Satz „Wer nicht mitgestaltet, für den wird gestaltet" ist zu einem Allgemeinplatz der Restrukturierungsdebatte geworden. Jeder nickt, wenn er ihn hört. Wenige fragen sich, was er konkret bedeutet. Gestalten hieß vor zehn Jahren: innovativ sein, neue Märkte erschließen, Prozesse optimieren. Das alles gilt noch. Aber 2026 kommt eine Dimension hinzu, die viele unterschätzen: die Fähigkeit, Komplexität mit technischen Mitteln zu durchdringen und handlungsfähig zu machen.
Ein Beispiel: In einer Restrukturierung wird der Bereich eines Abteilungsleiters infrage gestellt. Er hat zwei Möglichkeiten. Die erste: Er argumentiert mit Erfahrung, Engagement und der Qualität seines Teams. Die zweite: Er legt drei Szenarien vor: Was passiert bei moderater Kürzung, Was bei drastischer und was bei Verlagerung. Jedes Szenario mit quantifizierten Folgekosten, Risikobewertungen und Zeitlinien.

Beide Optionen erfordern Kompetenz. Aber nur die zweite erfordert ein Werkzeug, das die meisten Führungskräfte heute noch nicht bedienen können. Und genau dieses Werkzeug entscheidet zunehmend darüber, wer am Tisch sitzt, wenn die Entscheidungen fallen - und wer draußen wartet.
Gestalten heißt 2026: die eigene Handlungsfähigkeit technisch erweitern. Nicht weil Technik alles ist. Sondern weil ohne Technik das Denken nicht mehr in die Räume kommt, in denen entschieden wird.
Der Irrtum der Selbsteinschätzung
Was mich in der täglichen Arbeit mit Führungskräften am meisten beschäftigt, ist nicht mangelnde Intelligenz oder fehlende Bereitschaft. Es ist die Diskrepanz zwischen Selbstbild und Realität. Die meisten Führungskräfte, die ich treffe, halten sich für gut aufgestellt. Sie haben Seminare besucht, Artikel gelesen, vielleicht sogar ein KI-Pilotprojekt in ihrem Bereich angestoßen. Und all das ist auch nicht falsch. Aber es reicht nicht.

Denn die Frage ist nicht: Hast du dich mit KI beschäftigt? Die Frage ist: Kannst du, wenn morgen die Budgetrunde beginnt, in zwei Stunden eine datengestützte Verteidigung deines Bereichs aufbauen? Kannst du dem CFO drei durchgerechnete Szenarien vorlegen, die zeigen, dass eine Kürzung deines Teams mehr kostet als sie spart? Kannst du die psychologischen Folgekosten einer Restrukturierung quantifizieren, bevor dein Bereich auf der Streichliste landet?
Wer auf alle drei Fragen mit Ja antwortet, ist vorbereitet. Wer zögert, hat noch Arbeit vor sich. Und diese Arbeit - das ist die unbequeme Wahrheit - lässt sich nicht in einem Nachmittag nachholen. Nicht weil die Werkzeuge so schwer zu bedienen sind. Sondern weil strategisches Arbeiten mit KI eine Denkweise erfordert, die man üben muss. Die richtigen Fragen formulieren. Ergebnisse einordnen. Lücken erkennen. Nachfassen. Verfeinern. Das ist keine technische Fertigkeit. Das ist eine Führungskompetenz.
Die proaktive Frage
Der Handelsblatt-Artikel, der bei mir die Idee für diese Blogserie ausgelöst hat, beschreibt vor allem die reaktive Seite: Was tun, wenn die Restrukturierung kommt? Wie den eigenen Bereich verteidigen? Aber die eigentlich spannende Frage liegt davor: Wie positioniere ich mich so, dass ich gar nicht erst auf der Liste stehe?

Die Antwort ist nicht spektakulär, aber sie ist klar: Wer seinen Bereich regelmäßig datenbasiert evaluiert, wer Szenarien durchspielt, bevor sie gefordert werden, wer in der Lage ist, dem Management Handlungsoptionen statt Appelle zu liefern, der wird nicht als Verteidiger wahrgenommen, sondern als Gestalter. Und Gestalter streicht man nicht als Erstes.
Das klingt einfach. Aber es setzt voraus, dass man die Werkzeuge vor der Krise beherrscht. Dass man die Denkweise vor dem Druck eingeübt hat. Dass man nicht am Abend vor der Vorstandssitzung zum ersten Mal ein KI-Tool öffnet, sondern es als selbstverständlichen Teil der eigenen Führungsarbeit betrachtet.
Was machen wir jetzt damit?
Ich spreche viel mit Führungskräften, die sagen: „Ich weiß, dass ich mich mit KI beschäftigen muss." Die Betonung liegt fast immer auf „muss" - als wäre es eine lästige Pflicht, ein weiterer Punkt auf der Liste.
Mein Vorschlag: Drehen Sie die Perspektive. Nicht: „Ich muss mich mit KI beschäftigen." Sondern: „Ich will in der Lage sein, meinen Bereich in jeder Situation strategisch zu vertreten und dafür nutze ich jedes Werkzeug, das mir das ermöglicht."
Das ist kein Seminar. Das ist eine Haltung. Und die Haltung kommt vor dem Werkzeug, aber ohne das Werkzeug bleibt sie wirkungslos.
Wer den Einstieg sucht - nicht als Theorie, sondern als individuelles KI-Training, mit den eigenen Themen - ist willkommen, sich bei mir zu melden. Nicht weil die Zeit drängt. Sondern weil die beste Zeit, sich vorzubereiten, immer die ist, in der noch niemand danach fragt.
Robert Langenbacher
Gründer der talentschmie.de
Talentförderung & Persönliches KI-Training
0151-67 442 450
robert.langenbacher@gmail.com
Du musst nicht alles selbst herausfinden.
Du darfst dir den Weg zeigen lassen.
Und genau dafür bin ich da.










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