Dave Ferguson: Der Boss, der befiehlt, und der Leader, der berührt

von Robert Langenbacher | 8. Aug. 2025

Wie Demut der wahre Schlüssel zum Einfluss ist – Eine persönliche Reflexion über die feinen Unterschiede, die darüber entscheiden, ob wir führen oder nur anweisen

Ich erinnere mich noch genau, wie ich als Jugendlicher die ersten Führungsgestalten in meinem Leben beobachtete. Da war der Trainer meines Fußballteams, der mit fester Stimme Anweisungen gab und unnachgiebig auf Disziplin pochte. Und da war der Inhaber des kleinen Supermarktes, der jeden seiner Mitarbeiter beim Vornamen kannte, sich nach ihren Familien erkundigte und es schaffte, dass alle motiviert und mit einem Lächeln arbeiteten. Ich wusste damals noch nicht, dass ich zwei grundverschiedene Typen von Vorgesetzten vor mir hatte: den Boss und den Leader. Einer, der von oben herab dirigierte, und einer, der von innen heraus inspirierte. Einer, der respektiert wurde, weil er Macht hatte, und einer, der respektiert wurde, weil er Wertschätzung gab.

Wenn der Chef zum Inspirator wird

Diese frühen Beobachtungen haben mich geprägt, und ich habe mich oft gefragt, was diese beiden Stile so fundamental voneinander unterscheidet. Diese Frage hat auch Dave Ferguson in seiner Karriere umgetrieben. Als ich seine Geschichte las, fühlte es sich an, als würde er meine eigenen, unbewussten Erkenntnisse in Worte fassen. Ferguson, heute ein international anerkannter Executive Coach, stellt in seinem Buch „Boss oder Leader“ die simple, aber tiefgreifende These auf: Ein Boss ist ein Direktor, der Menschen anweist und kontrolliert. Ein Leader hingegen ist jemand, der beeinflusst und inspiriert. Er nimmt Menschen auf eine gemeinsame Mission mit, weil sie ihm vertrauen, nicht weil sie ihm gehorchen müssen.

Sein eigenes Interesse an Führung wurde schon im Alter von zehn Jahren geweckt, als er in der Nähe einer Freiwilligen-Feuerwehr lebte. Die Männer dort, die im Leben ihrer Gemeinschaft fest verankert waren, nahmen ihn zum Fußball mit und zu ihren Übungen. Später, als er in einer Eisfabrik arbeitete, hatte er einen Chef, den er liebevoll „Chilly“ nannte. Dieser Mann war nicht nur ein großartiger Anführer, sondern auch ein großzügiger Mensch, der sich für seine Stadt engagierte. Diese Vorbilder stehen im krassen Gegensatz zu den „totalen Bossen“, die Ferguson später in der Unternehmenswelt erlebte – Menschen, die nur des Geldes wegen respektiert wurden, aber ohne jegliche emotionale Verbindung zu ihren Mitarbeitern.

Demut: Die unsichtbare Mauer

Dave Ferguson hat 16 Grundsätze der Führung identifiziert, die von Vision über Durchhaltevermögen bis zu Beziehungen reichen. Doch für ihn ist die größte Hürde zwischen der Boss- und der Leader-Mentalität Demut. Er beschreibt es als die Schwierigkeit, eigene Schwächen und Fehler zu akzeptieren. Es ist, als würde man versuchen, eine Sucht zu überwinden: Der erste Schritt ist die schmerzhafte, aber notwendige Erkenntnis, dass ein Problem existiert. Erst dann kann die Arbeit beginnen. Diese Demut, die Fähigkeit zu sagen „Ich weiß nicht alles“ oder „Ich habe einen Fehler gemacht“, ist der Nährboden für wahre Persönlichkeitsentwicklung und somit auch für die Entwicklung von Führung.

Dieser Prozess ist entscheidend, denn Stillstand ist der Tod. Ferguson, der selbst über 60.000 Dollar in seine eigene Weiterbildung investiert hat, sieht die ständige Investition in sich selbst und in andere als unverzichtbar an. Wer aufhört zu lernen, hört auf zu wachsen. Unternehmen wie Blockbuster oder Sears sind dafür traurige Beweise; sie hatten einst eine Vision, aber sie trieben diese nicht energisch genug voran. Sie wurden zu Dinosauriern in einer sich rasch verändernden Welt.

Der stille Widerstand eines Leaders

Was aber, wenn man selbst für einen Boss arbeitet? Ferguson rät nicht zur offenen Konfrontation. Er schlägt vor, den Wandel von innen heraus zu bewirken, indem man selbst das Beispiel eines Leaders lebt. Man kann subtil durch Fragen und das eigene Verhalten zeigen, dass eine andere, wirkungsvollere Art der Führung existiert. Die Kraft des Coachings, wie er es über „livingtolead.com“ anbietet, liegt genau in dieser Möglichkeit, durch Fragen neue Perspektiven zu öffnen und eine ruhige, aber wirkungsvolle Revolution in Gang zu setzen.

Am Ende des Tages geht es nicht darum, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Es geht darum, den Spiegel an die Wand zu hängen und sich selbst die Frage zu stellen: Welchen Einfluss möchte ich in dieser Welt haben? Möchte ich nur Anweisungen geben oder möchte ich Menschen inspirieren? Möchte ich die Macht meines Titels nutzen oder die Kraft meiner Empathie? Und wenn ich mir selbst diesen Spiegel vorhalte, sehe ich, wie das Leuchten in den Augen meiner Mitarbeiter heller wird, wenn ich sie nicht nur anweise, sondern wirklich mitnehme. Ein Leader zu sein ist anstrengender, ja. Aber der Nachhall, der bleibt, ist unbezahlbar.

Was machen wir jetzt damit? Gern komme ich zu diesem oder den anderen Blog-Artikeln mit meinen Lesern ins Gespräch. Am liebsten per Telefon, bei einem geplanten Online-Meeting oder wir starten miteinander zu texten. Bin sehr gespannt auf den Austausch von Gedanken, Meinungen und Beobachtungen, die uns bestimmt gemeinsam weiterbringen werden.

Robert Langenbacher
Gründer der talentschmie.de
Talentförderung & Persönliches KI-Training
0151-67 442 450
robert.langenbacher@gmail.com

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